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Interview mit Julia Olbrisch, Director of Leagl & People bei der HYROX World GmbH

FUSSBALL KANN MEHR: Was hat dich dazu inspiriert, im Sportbusiness zu arbeiten? 
Julia Olbrisch: Meine Leidenschaft für den Sport sowie mein Bewusstsein dafür, dass Sport so viel mehr ist als körperliche Ertüchtigung. Sport verbindet Menschen und lässt Menschen über sich hinauswachsen, schreibt Geschichte(n) und ist erlebte Gemeinschaft im Großen (z.B. Weltmeisterschaften) wie im Kleinen (Vereinssport ums Eck) überall auf der Welt.

Was macht deinen Job bei der HYROX aus? 
Mein Job bei HYROX ist maximal kreativ, vielseitig und herausfordernd. Er erfordert all meine Erfahrungen und Fähigkeiten, die ich in früheren Jobs, Rollen und Zuständigkeiten gemacht und erlernt habe und lässt mich gleichzeitig jeden Tag über mich hinauswachsen.
Wir haben einen neuen Sport nebst internationaler Wettkampfserie kreiert und damit neue Verbindungs- und Kommunikationsmöglichkeiten für Menschen geschaffen, die die Leidenschaft für den Fitnesssport teilen. Es gibt keine Denkmuster oder Rollenbilder, sondern nur das gemeinsame Ziel, einen leicht zugänglichen, fairen und inklusiven Sport bzw. Wettkampf für alle Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlecht zu schaffen, der sich selbst trägt.
HYROX ist Veranstalter, Vermarkter und Markeninhaber mit internationalen Unternehmensstrukturen und Offices mit Mitarbeitern auf 5 Kontinenten. Als Team Legal sind wir Absicherer, Ermöglicher und strategischer Partner und als Team People Organisator, Kulturträger und Leistungsentwickler. Everything – everywhere – all at once.

Wie wichtig ist es, als Frau im Sportbereich ein starkes Netzwerk zu haben?
Es ist sowohl für Frauen als auch für Männer wichtig, ein starkes Netzwerk zu haben. Es geht regelmäßig nur gemeinsam. Aufgrund der männlichen Dominanz des Sportbusiness und den bestehenden Denkmustern (biases), die jeder Mensch hat und denen er/sie bei der Entscheidungsfindung unterliegt, ist es für Frauen ungleich schwieriger Netzwerke in männlich geprägten Strukturen aufzubauen, zu unterhalten und auszubauen.

Welche Strategien hast du genutzt, um deins aufzubauen? 
Ich gehe aktiv auf Leute zu, spreche sie an und vernetze mich. Ich nutze die sozialen Medien, um mich zu informieren und mit neuen Leuten zu vernetzen. Dabei stelle ich mich regelmäßig mit einer persönlichen Nachricht vor.

Wie gehst du mit Herausforderungen um? 
Mich so gut wie möglich vorbereiten, Unterstützer und Verbündete, sofern es sie gibt und für mich erreichbar sind, gewinnen, und dann mein Bestes geben.

Welcher Rat hat dir in deiner Karriere am meisten geholfen, und von wem kam er? 
„Eine Nacht drüber schlafen“, um Dinge „sacken zu lassen“ und Emotionalität aus Kommunikation und Entscheidungen rauszunehmen. Der Rat kam von dem Geschäftsführer der Sportvermarktungsagentur, bei der ich lange gearbeitet habe.

Was kann man von dir lernen? 
Struktur, positives und lösungsorientiertes Denken und Handeln, gute Kommunikation, Teamplay und Empathie.

Welches Missverständnis über deinen Beruf würdest du gerne ausräumen? 
Dass Jura langweilig, trocken und wenig kreativ ist.

Wie definierst du persönlich Erfolg? 
Erfolg bedeutet für mich, eigene Ziele zu erreichen – mit fairen Mitteln, Freude am Tun und ohne mich und die Menschen, für die ich verantwortlich bin, dabei selbst zu verlieren. Erfolg ist kontextabhängig, wertebasiert und zeitlich wandelbar und aufgrund eines wachsenden Erfahrungsschatzes und Aufgaben, haben sich Sichtweisen und Prioritäten verschoben. Anders als zu Beginn meiner Karriere, habe ich heute viele Rollen inne (=Mutter, Ehefrau, Inhouse-Anwältin, Tochter, Freundin, Sportlerin, Imkerin, Bürgerin), die ich erfolgreich gestalten möchte. Nicht alles gelingt gleich gut, da aufgrund unterschiedlicher Lebensphasen und des limitierenden Zeitfaktors von 24h/Tag Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Aber für alles gibt es eine Zeit mit entsprechenden Zielen. Diese gilt es zu erkennen, zu konkretisieren und zu erreichen.

Wenn du heute als jüngere Frau neu im Sport starten würdest – was würdest du anders machen, und was genauso? 
Wenn ich jetzt neu starten würde, wäre mir von Beginn an klar, dass ich mit Leistung allein nirgendswo hinkäme. Ich würde mich  mit anderen Frauen solidarisieren und vernetzen und mir sowie anderen Frauen im Team proaktiv männliche Unterstützer suchen. Ich würde Führungsverantwortung stärker einfordern und mich für alternative Führungsmodelle (Tandem, etc.) in Teilzeit stark machen, um Vereinbarkeit von Familie und Job für Männer und Frauen zu ermöglichen.