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Interview mit Gründungsmitglied Jana Bernhard

Porträt von Jana Bernhard, die mit einem freundlichen Lächeln für Vielfalt im Fußball eintritt.FKM-Forderung 2: Besetzung eines jeden Vorstandes/Geschäftsführung mit mind. einer Frau 

FUSSBALL KANN MEHR: Was war der Anlass für diese Forderung?
Jana Bernhard: Der Fußball hat über Jahre von Vielfalt gesprochen, aber die Gremien und Machtstrukturen, in denen über Fans, gesellschaftliche Verantwortung, Nachwuchs und Zukunftsmärkte entschieden wurden, waren weitgehend homogen und meist – keine Frauen am Tisch.
Für uns war und ist dies eine Good-Governance-Frage. Wenn ein Club oder eine Liga heute professionell, international und gesellschaftlich relevant sein will, dann kann Führung nicht aussehen wie vor 20 Jahren. Gute Governance bedeutet nicht nur, dass Prozesse sauber sind, es bedeutet auch, dass Entscheidungen aus unterschiedlichen Perspektiven heraus getroffen werden. Die 30-Prozent-Forderung war deshalb ein Mindeststandard und ein klares Signal für Verbindlichkeit.

Was war deine persönliche Perspektive auf diese Forderung? 
Für mich ist die Quote ein Governance-Instrument. Ich habe im internationalen Sport gesehen, wie groß der Unterschied sein kann, wenn Gleichstellung als strategisches Ziel und nicht nur als Haltung formuliert wird. Beim IOC wurde das mit der Olympic Agenda 2020 sehr deutlich: Dort wurden Reformziele gesetzt, Gender Equality wurde in Governance, Kommissionen und Entscheidungsstrukturen übersetzt – und genau dadurch entstand Bewegung. Der Fußball diskutiert Gleichstellung, aber übersetzte ihn viel zu selten verbindlich mit Zielgrößen in Satzungen, Aufsichtsratsstrukturen oder Besetzungsprozesse.

Du hast national und international für Fußballclubs und -ligen gearbeitet und für den olympischen und paralympischen Sport. Was ist den olympischen und paralympischen Sportarten in diesem Bereich gelungen?
Im olympischen und paralympischen Sport ist gelungen, Gleichstellung stärker als Governance-Thema zu verankern. Nicht überall perfekt, aber deutlich sichtbarer. Es gibt Zielwerte, Programme, Monitoring und internationalen Druck. Das verändert etwas.
2025 sehen die Zahlen beim IOC so aus:
43 % der IOC-Mitglieder sind Frauen – gegenüber 21 % im Jahr 2013.
47 % des IOC Executive Board sind Frauen – 7 von 15 Mitgliedern.
42 % der IOC-Kommissionen werden von Frauen geleitet.
Zusätzlich wurde Kirsty Coventry zur ersten Frau an der Spitze des IOC gewählt.

Welche Schritte brauchte es dafür?  
Es braucht klare Ziele. Daten, damit man nicht im Gefühl bleibt. Verbindlichkeit und strukturelle Verankerung, damit Fortschritt nicht von Einzelnen abhängt.

Du hast die internationale Vernetzung von FKM vorangetrieben. Siehst du Ligen oder zumindest Clubs, die sich diesen Zielen nähern?
Ja, aber leider eher punktuell als flächendeckend. England ist spannend, weil dort vor allem Debatten über Governance viel öffentlicher geführt werden und weil Women in Football und die Professionalisierung der Women’s Super League, die 2024 mit einem weiblich geprägten Executive-Team aufgebaut wurde, stark zusammenspielen.

Nur drei der 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga haben Vorgaben zur diversen Besetzung ihrer Aufsichtsräte. Wie können Menschen in Vereinen andere Menschen für dieses Thema gewinnen?
Mit dem Argument: Das ist bessere Vereinsführung und die Verantwortung eines Kontrollgremiums. Divers aufgestellte Aufsichtsräte – das zeigen zig Studien – haben eine bessere Kontrolle, bessere Risikoabwägung und sorgen für eine bessere Zukunftsfähigkeit. Ein Verein, der Stakeholder wie Sponsoren, Fans, Mitglieder, Medien, Politik und Themen wie Internationalisierung und Fußballentwicklung ernst nimmt, kann sich keine eindimensionale Führung leisten.

Was braucht es neben der Quote, damit Frauen in diesen Positionen auch langfristig Wirkung entfalten können?
Die Quote ist aus meiner Sicht ein wichtiger Türöffner, aber keine Garantie für Einfluss. Entscheidend ist, was im Alltag passiert. Haben Frauen wirklich an den relevanten Entscheidungstischen eine Stimme? Haben sie Ressorts, Budgets und Zugang zu informellen Netzwerken? Dafür braucht es transparente Besetzungsprozesse und klare Rollenprofile. Es geht nicht nur darum, Plätze zu schaffen, sondern Verantwortung und Gestaltungsspielraum zu teilen.

Wie ist deine persönliche Erfahrung mit dem Führen diverser Teams?
In divers aufgestellten Teams werden andere Fragen gestellt. Wen betrifft diese Entscheidung? Welche Perspektive fehlt? Wie wirkt das nach außen? Wo liegen weitere Chancen? Wo übersehen wir ein Risiko? Homogene Teams sind oft effizient im Konsens. Diverse Teams sind stärker in der Realität.

Gibt es eine Forderung, die du heute für FUSSBALL KANN MEHR ergänzen würdest?
Ja. Ich würde heute eine Forderung zur Governance-Transparenz ergänzen. Es geht nicht nur um die reine Anzahl von Frauen, die im Aufsichtsrat sind. Sondern darum: Wie werden Mandate besetzt? Gibt es transparente Anforderungsprofile? Gibt es offene Nominierungsprozesse? Gibt es Zielwerte für Geschäftsführung, Direktorinnenrollen und Kommissionen?