Female Leaders
Horizonterweiterinnen und Glasdeckendurchbrecherinnen
Vernetzung war von Beginn an der Gründungsgedanke von FUSSBALL KANN MEHR (FKM). Neun Frauen, aktiv und erfolgreich in ganz unterschiedlichen Bereichen der Sportwelt – von der Fankurve bis zum Sponsoring – schlossen sich zusammen, zunächst als Initiative mit acht Forderungen für mehr Chancengerechtigkeit und Diversität. Seit 2022 existiert FKM als gemeinnützige GmbH. Heute bieten wir konkrete Unterstützung für Frauen im Fußball sowie Angebote für Vereine, Verbände, Institutionen, Städte und Unternehmen, die eine Förderung von Frauen und Diversität als notwendige Zukunftsaufgabe verstehen. Ein zentrales Anliegen bleibt dabei, Clubs und Verbände in der Entwicklung diverser Führungsgremien zu begleiten.
Vernetzung und Sichtbarkeit sind und bleiben ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Wir teilen den Gedanken der Schwarzen US-Aktivistin Marian Wright Edelman: „You can’t be what you can’t see.“ Frauen in der Sportbranche sichtbar zu machen, eröffnet anderen die Möglichkeit, ihre eigenen Handlungsspielräume weiter, größer und auch ambitionierter zu denken.
Vor diesem Hintergrund entstand 2024 gemeinsam mit SPOBIS das Projekt „30 Female Leaders“. Die große Resonanz mit über 200 Einreichungen war nicht nur ermutigend, sondern hat gezeigt: Der Weg zu echter Gleichstellung ist noch lang – aber wir sind längst nicht mehr auf den ersten Metern. Die 30 Frauen, die im Rahmen dieses Reports vorgestellt wurden, waren und sind jede für sich und als Gruppe echte Horizonterweiterinnen und Glasdeckendurchbrecherinnen. Dieses Projekt markierte einen wichtigen Anfang und ist ein zentraler Teil der Geschichte von FKM.
Seit der Veröffentlichung der 30 Female Leaders führt FKM diesen Weg konsequent weiter. Mit den Female Leaders schaffen wir weiterhin Sichtbarkeit für Frauen, die den Fußball in verantwortungsvollen Positionen prägen, verändern und voranbringen. An dieser Stelle stellen wir die fünf neuen Female Leaders vor, deren Porträts und Perspektiven dieses Netzwerk aktuell erweitern.
Die Texte zu den zuvor vorgestellten Frauen aus dem ursprünglichen SPOBIS-FKM-Projekt sind weiterhin hier zu finden.
Die Female Leaders waren der Anfang und sind zugleich Teil eines wachsenden Netzwerks, das FUSSBALL KANN MEHR auch in Zukunft aktiv gestalten und sichtbar machen wird.
Female Leaders 2026
Julia Brinker, Executive Client Service Director und Mitglied der Geschäftsleitung von Jung von Matt SPORTS
Projekte in Agenturen lassen sich umkreisen, man kann sie andenken, in sie hinabtauchen, sie planen, budgetieren, vorstellen, durchführen. Julia Brinker, Executive Client Service Director und Mitglied der Geschäftsleitung von Jung von Matt SPORTS, ist in allen diesen Tätigkeiten herausragender Profi, aber eine Disziplin ist ihr die liebste in den letzten Jahren geworden: für die Agentur in die Zukunft zu schauen. Die in Europa meist ausgezeichnete Kreativagentur im Sport braucht diese Fähigkeit, denn Anforderungen der Projekte, Wünsche der Kund*innen – nichts davon lässt sich in einfachen Additionen abbilden, aber Brinkers umfassende Kenntnisse des Geschäfts ermöglichen präzise Forecasts und damit die größtmögliche Freiheit für die Mitarbeitenden. Finanzen und Beratung, dies zunehmend als Supervisor und im Sparring für die Teams, die für Marken wie Adidas arbeiten – beide Säulen sind wichtig für Julia und ihr Selbstverständnis. Die Finanzplanung ist aber jünger im Profil, ein Entwicklungsschritt vor etwa 6 Jahren nach der Rückkehr aus der Elternzeit: „Ich wollte mich weiterentwickeln und noch besser verstehen, wie man ein Unternehmen führt.“ Mit der Berufung in die Geschäftsleitung 2022 kam auch eine größere Sichtbarkeit ihres Arbeitsmodells, Julia führt in Teilzeit: „Ich möchte zeigen, dass Familie kein Hindernis für die Karriere ist, und ich würde es schön finden, wenn dass bei jungen Männern wie Frauen in der Agentur wahrgenommen würde.“ Führen – respektvoll, vertrauend -, entscheiden – nach gut sortiertem Abwägen und auf der Suche nach Hands-on-Lösungen – Julia ist in Geschäftsleitungsrolle keine andere geworden, als sie immer war, ein großes Glück: „Ich neige eher zum Introvertierten, und hatte lange das Gefühl, ich muss dominanter werden. Jetzt ist mein Eindruck, dass ich für das Zurückhaltende geschätzt werde, wenn ich etwas sage, hat es Gewicht.“
Sie arbeitet als Mentorin für Frauen in ihrer Agentur und über equalate auch für Frauen in der Sportindustrie. „Wir brauchen Support und Mentoring, um die Gaps zu schließen. Und wir brauchen Netzwerke wie die Female Leaders für große Ideen und pragmatische Lösungen.“
Es ist bei aktiven wie ehemaligen Spieler*innen eine zu einfache Idee, von ihrer Art zu spielen auf alles Folgende zu schließen – auf ihre Art zu arbeiten, zu entscheiden, zu führen. Aber Silva Lone Saländer bietet diese Vergleiche gleich von sich aus an. Die Global Coordinator Women`s Soccer bei Red Bull Soccer hält ihr eigene Fußballerinnen-Karriere – die Spielmacherin ist mit über 200 Pflichtspielen von 1999 bis 2012 bis heute Rekordspielerin des HSV – für den Kern von allem, was folgte.
„Meine Vergangenheit als Fußballspielerin hatte einen wesentlichen Einfluss auf meine Karriere abseits des Spielfelds. Ich hätte weder den Zugang zur Branche noch das entsprechende Netzwerk gehabt – und auch nicht die notwendige Referenz. Und vor allem die natürlich entwickelte Kompetenz für das sichtbare Bewegen in der Branche.“
Zu diesem nicht planbaren Spieleffekt kommen aber sehr bewusst geplante und gegangene Schritte: Parallel zum Leistungssport absolvierte Silva Lone Saländer ein Jurastudium. Und wählte 2015 dann den Weg zurück in den Fußball, zunächst als Medienbeauftragte von RB Leipzig, dann als Pressesprecherin und ab 2021 Leiterin der Unternehmenskommunikation, nah am Tagesgeschäft, Team und Spiel, auch im Rückblick eine Zeit, auf die sie zufrieden blickt: „Ich habe sichtbar machen können, dass Frauen in diesen Positionen selbstverständlich dazugehören.“ Seit Januar hat RB Leipzig mit Tatjana Haenni erstmals eine CEO – für Silva „ein sehr wichtiges und richtiges Zeichen.“
Zum Jahresbeginn hat sie auch eine neue Rolle begonnen, bei Red Bull Soccer, und beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Frauenfußball nachhaltig entwickeln lässt – „gemeinsam als Team, inhaltlich mit Leidenschaft.“ Es ist eindeutig zu früh für eine Bilanz, aber die Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp, das internationale Arbeiten – sie setzt weiterhin ihren Spielplan ambitioniert im Team um.
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Christine Thoma, seit September 2024 für Eintracht Frankfurt Director People & Corporate Culture, ist gut darin, in großen Bögen zu denken, vor allem überzeugt sie dabei, diese großen Bögen auszufüllen.
Für sie selbst hat sich einer der Bögen mit der Aufgabe bei der Eintracht geschlossen: Sie ist zurück im Fußball. Ein Spielfeld, das sie Ende der achtziger Jahre betreten hat, erst als einziges Mädchen in einer Jungsmannschaft, dann Anfang des Jahrtausends für den HSV in der Bundesliga. Ein, zwei Jahrzehnte zu früh für Profi-Bedingungen bei den Frauen, aber nicht zu früh, um mitzunehmen, was sie seitdem sucht, kreiert und einsetzt im Job: Verbundenheit, Spielfreude, strategisches Denken.
Wichtigste Station auf dem Weg waren die Jahre bei McKinsey, dort zuletzt auch mit dem Schwerpunkt People & Culture. Neben dem Offensichtlichen – zahlengetriebenes High Performance Umfeld – war die Unternehmensberatung für Thoma vor allem ein Dauertraining im schnellen Wechsel von Branchen und Projekten. Und: „Ich habe gelernt, dass es neben dem Inhaltlichen genauso wichtig ist, frühzeitig zu überlegen, wer wann in welcher Form einzubinden ist, um tragfähige Lösungen zu erzielen.“
Diesen „strukturellen Werkzeugkasten“ setzt sie heute auch bei Eintracht Frankfurt ein, wo die Aufgabe lautet, für die Organisation und die Mitarbeitenden die zentrale Anlaufstelle für strategische Weiterentwicklung zu werden. Ein höchst spannendes Umfeld, emotional, ambitioniert, bereit, neue Wege auszuprobieren – immer mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit des Clubs zu erhöhen.
Christine Thoma ist eine Schlüsselspielerin geblieben – und nutzt ihre Sichtbarkeit für Talente im Club, genau wie im Austausch mit anderen HR-Abteilungen der Bundesligaclubs. Immer noch auf der Agenda: „Ich möchte, dass viel mehr Frauen Fußball spielen – und auch beruflich den Weg in den Fußball finden.“
Als Bettina Berger 2025 als Geschäftsführerin des „S20 – The Sponsors‘ Voice e.V.“ startete, trat sie als erstes eine Reise an. Sie besuchte jedes der 20 Mitgliedsunternehmen des Zusammenschlusses der namhaften deutschen Sponsoren, die sich vor allem im Sport und Entertainment-Bereich engagieren. Unter ihnen z.B.: Allianz, BOSS, Viessmann Climate Solutions Würth Group, Mercedes-Benz. Und: hörte zu.
Denn das ist eine Grundüberzeugung von Bettina Berger: Ohne tiefes Verständnis für die Interessen, Herausforderungen und Überzeugungen ihrer Partner kann sie ihre Aufgabe nicht erfüllen, kann sich nicht das volle Potenzial des Zusammenwirkens ihrer Mitgliedsunternehmen entfalten. Bettina Berger liebt zugewandtes Zuhören: „Ich spreche im übertragenen Sinne 20 unterschiedliche Sprachen, ich kann mich auf jeden Ansprechpartner einlassen und habe große Freude daran.“
Natürlich ist es mit dem Zuhören nicht getan. Die gewonnenen Erkenntnisse hat sie sodann in die Planung der nächsten strategischen Schritte umgesetzt. Erfolgreich, auch dank ihrer eigenen tiefen Kenntnisse von Sponsoring und Marketing. Vor dem S20 verantwortete sie u.a. die Kommunikationskampagne der Stadt Hamburg im Rahmen der zur UEFA EURO 2024, sie arbeitete viele Jahre für den HSV und den HSV Handball sowie für Olympische Spiele und für die Fußball WM 2006.
Mit dem S20, so sieht sie es selbst, ist sie im idealen Wirkungsfeld angekommen; es geht eben nicht mehr um ein zeitlich begrenztes Projekt – selbst die schönste Europameisterschaft endet einmal – sondern um Partner, die gemeinsam langfristig etwas bewegen wollen: „Ich kann hier kontinuierlich gestalten und richtungsweisende Impulse setzen.“ Zu ihren Aufgaben gehört neben der Gestaltung der regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen auch Trends und Innovationen der relevanten Themenschwerpunkte für alle Stakeholder zu erkennen und erfahrbar zu machen und die Bedeutung von Sport- und Entertainmentsponsoring für die Gesellschaft aufzuzeigen.
Der S20 feiert in 2026 ein besonderes Jubiläum: sie wird 20 Jahre alt. Zum Auftakt des Jubiläumsjahrs konnte Bettina Berger melden, dass Coca-Cola wieder zu ihren Mitgliedern stößt. Sie freut sich sehr darauf auch mit diesem Mitglieds Unternehmen den Dialog innerhalb des Netzwerks der führenden Sponsoren in Deutschland mitzugestalten. Man wird schwerlich eine Sportveranstaltung von nationaler oder internationaler Bedeutung finden, bei der nicht eines der S20-Unternehmen engagiert ist. Aber Bettina Berger geht es im Jubiläumsjahr nicht um Quantität, sondern um Qualität: Das Vertrauen und die Offenheit in den Beziehungen stehen dabei an erster Stelle.
